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Vorwort zu Nr. 108
Lange genug hat die nun endlich publizierte Nr.
108 auf sich warten lassen; gehört sie doch technisch gesehen
noch in das Jahr 2005 hinein. Die Verzögerung geht nicht auf Saumseligkeiten
der Redaktion zurück, sondern auf die Änderung der Produktionsbedingungen.
(Das im Vorwort von TuK 106/107 dazu Ausgeführte muß hier nicht
wiederholt werden.) Immerhin konnte die Dreifach(!)nummer 109–111,
in der Ton Veerkamp auf knapp 160 Seiten die erste Hälfte seines
Kommentars zum Johannesevangelium vorlegt, parallel betreut werden,
so daß mit einem Erscheinen etwa im November gerechnet werden
darf.Was die Nr. 112 betrifft, so wird sie voraussichtlich ins
Jahr 2007 wandern, aber – nach bestem Wissen und Gewissen gesprochen
– keinesfalls wieder bis in den Herbst.
Zum Inhalt des vorliegenden Heftes: Den beiden exegetischen Hauptartikeln gemeinsam ist der
Versuch, pagan-mythologisches Denken der römischen Antike mit
der Vorstellungswelt der Bibel zu konfrontieren und so die biblischen
Texte noch einmal neu in ihre politische und soziale Umwelt einzuzeichnen.
Brigitte Kahl unternimmt des, den Galaterbrief auf den Stufen
des Pergamonaltars zu lesen, umgeben von steingewordenen Göttinnen
und Titanen. Oder anders: Sie unternimmt es, bei der Betrachtung
des Altars über den Sinn der Worte des Paulus nachzudenken. Diese
höchst ungewöhnliche Weise, das paulinische Schreiben zu kontextualisieren,
hat ihren guten Sinn: Sie hilft dabei, den gerade in protestantischen
Köpfen immer noch verbreiteten Eindruck abzuschütteln, die von
Paulus im Galaterbrief Angeredeten lebten in einer rein spirituellen
»›dogmatische(n) Provinz‹«, nämlich »in einem abgehobenen Bereich
universaler christlicher Kern-Wahrheiten, wo es keine Sklavenmärkte,
keine militärischen Aushebungen, keinen Steuerdruck, keine Arenen,
keine politischen Konflikte gibt«. Tatsächlich war Galatien, so
der Ausgangspunkt des Beitrags, »eine römische Provinz, die vom
Kaiser regiert wurde«. Unter solchem Vorzeichen gelesen, wird
der Brief zu einer Herausforderung hegemonialen Denkens, die sich
mit dem Fall des Imperium Romanum keineswegs erledigt hat, sondern
heute mindestens ebenso aktuell ist wie in den Tagen des Paulus.
Andreas Bedenbender wendet sich der religiösen und ideologischen
Propaganda im Umfeld der Tempelzerstörung des Jahres 70 n.Chr.
zu und zeigt (gestützt auf eine 1989 Texte & Kontexte Nr. 108,
28. Jg., Heft 4/2005, 1–2. veröffentlichte Arbeit von Helmut Schwier)
die Verbindung dieses 1 Vorwort Ereignisses mit einem antiken
»11. September« auf – ein Sachverhalt, der ebenso eindrücklich
wie erschreckend ist.
In den Spiegelungen findet sich zunächst
ein kurzer Text von Andreas Bedenbender, der sich der Frage nach
der angemessenen Übersetzung biblischer Texte einmal von der klanglichen
Seite annähert. Passend zum Hefttitel, folgt dann eine aus der
Feder Dick Boers stammende Rezension von Ton Veerkamps Buch »Der
Gott der Liberalen«. Und schließlich meldet sich unser treuer
Leser Gustave A. Schiblinsky wieder einmal zu Wort und bespricht
Dieter Storks »365 x Gott«. Auf der letzten Seite der Nummer finden
Sie ein Angebot, das insbesondere für jene interessant sein dürfte,
die TuK nicht schon von allem Anfang an abonniert haben: TuK 1–84
liegt jetzt als CD vor; der Erwerb ist für einen moderaten Preis
möglich! Im Innenteil des Heftes bringen vier Seiten (mit römischer
Paginierung) dringend notwendige Korrekturen zu Ton Veerkamps
Übersetzung des Johannesevangeliums (= TuK 106/107). U.a. enthalten
sie ein vollständiges Inhaltsverzeichnis. Es ist möglich (und
wohl auch ratsam), diese Seiten herauszulösen und in TuK 106/107
einzulegen.
| Für Ihre Redaktion, im September 2006 |
Andreas Bedenbender |
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